Home
Musik
DVDs
Arbeit
Lebenslauf
Links
Swiss Images
Kontakt

Schularbeit
Seminararbeit
Diplomarbeit
Übersetzungsvergleich
Prozesseinheit

SP Bern-Süd

Übersetzungsvergleich
«
The Cement Garden» von Ian McEwan

Martin Reck, 26. - 28. Juni 1994

 

INHALTSVERZEICHNIS

1.    Kontrolle der Übersetzung von Kapitel IV

2.    Adaptationen in Kapitel V

3.    Analyse nach Übersetzungsverfahren (p. 77)

4.    Gesamtbewertung der Übersetzung
4.1.          Der Autor
4.2.          Die Übersetzenden
4.3.          Wichtige psychologische Daten betr. den Autor
4.4.          Rezipienten
4.5.          Räumliche Situierung des Textes
4.6.          Zeitliche Situierung des Textes
4.7.          Textsortenklasse
4.8.          Texttyp
4.9.          Inhaltsangabe
4.10.        Gesamtbeurteilung
4.10.1.     Lexikalische Ebene
4.10.1.1.  Emprunts
4.10.1.2.  Calques
4.10.1.3.  Substitutionen
4.10.2.     Syntaktische Ebene
4.10.2.1.  Transpositionen
4.10.2.2.  Textkohärenz
4.10.3.     Semantische Ebene
4.10.3.1.  Adaptationen
4.10.3.2.  Zusätze
4.10.3.3.  Auslassungen
4.10.3.4.  Konnotative Adäquatheit

5.    Bibliographie

 

 


 Download PDF

1.    Kontrolle der Übersetzung von Kapitel IV

Die ÜbersetzerInnen wählten für gutted by fire (47) in Flammen aufgegangen, während sie im daurauffolgenden Satz burned away mit ausgebrannt wiedergeben. Sind es aber nicht eher Gebäude, die ausbrennen, Fussbodenbretter die verbrennen bzw. verbrannt sind? Das Gebäude selber war ein halbes Jahr zuvor ausgebrannt. Ich stand in dem geschwärzten Wohnzimmer, in dem die Decke eingefallen und die Fussbodenbretter völlig verbrannt waren. Allerdings ist das Bild in Flammen aufgehen sehr schön; es liesse sich damit auch eine Wiederholung von -brannt vermeiden. Deshalb die folgende Empfehlung für diese beiden Sätze: Das Gebäude selber war ein halbes Jahr zuvor in Flammen aufgegangen. Ich stand in dem geschwärzten Wohnzimmer, in dem die Decke eingefallen und die Fussbodenbretter völlig verbrannt waren

Das Wort Befehlen ist zu stark; Der Satz sollte näher am Original [(...) and each object told you what to do (...) (47)] sein: (...) und jeder (Gegenstand) sagte einem, was zu tun war – da hatte man zu essen (...)

buckled between the blackened, broken joists (47): Es wird auf die schwarzen, abgebrochenen Dielenbalken verwiesen, im Dt. nur ungenau wiedergegeben mit krümmte sich (eine Matratze) zwischen schwarzen, abgebrochenen Dielenbalken. 

Die Wand war (...) abgebröckelt beschreibt einen Zustand, während im Original der noch nicht abgeschlossene Vorgang geschildert wird: The wall was crumbling away (...) (47): Die Wand bröckelte (...) ab (...) 

(...) now they ran backward and forward in blind confusion (...) (48) – (...) liefen jetzt in wilder Aufregung hin und her (...): Die genaue Entsprechung von confusion scheint mir hier wichtig zu sein: Verwirrung, und blind sind diese grauen Asseln wohl tatsächlich; daher: (...) liefen jetzt in blinder Verwirrung hin und her (...) oder: (...) liefen jetzt in ihrer Verwirrung blind hin und her (...) 

(...) on the first blow, but the next few produced nothing (...) (48) – Beim ersten Schlag (...), aber mit dem nächsten richtete ich nichts aus (...): Der Plural wurde im Dt. zu einem Singular; also: (...) aber mit den nächsten paar Schlägen richtete ich nichts aus (...). Vielleicht mochten die Übersetzenden die in meiner Empfehlung fast zwingende Wiederholung des Wortes Schlag nicht und setzten deshalb den Singular, der dies nicht nötig macht. 

in deep shade (48) wird mit im tiefen Schatten wiedergegeben; im Dt. haben wir also einen Verweis ins «Nichts»: in dem tiefen Schatten – welcher Schatten denn? Dies ist falsch; richtig wäre eine NP mit Null-Artikel: in tiefem Schatten.

tests (49) – Untersuchungstests: Das deutsche Kompositum ist pleonastisch, arg lang und schwerfällig; Untersuchungen hätte genügt. 

It seemed reasonable to me to tire of doctors. (49) – Mir kam es vernünftig vor, wenn man Ärzte satthatte: richtig übersetzt, kann aber missverstanden werden, wenn das es als auf die vorangegangene Aussage der Mutter («Ich habe genug Ärzte und Untersuchungstests für den Rest meines Lebens gehabt.») verweisendes «dies» aufgefasst wird. Klarer wäre: Mir kam es vernünftig vor, Ärzte sattzuhaben. 

We would be there, talking among ourselves or listening to her radio (...) (50) – Dort sassen wir jetzt, unterhielten uns miteinander oder hörten Radio bei ihr (...): Das bei ihr ist überflüssig, denn alle erwähnten Tätigkeiten fanden ja «bei ihr» (im Schlafzimmer) statt, ausgedrückt im Adverb dort; das Problem entstand, weil listening to her radio nicht übernommen werden kann. Mein Vorschlag ist ein Auslassung an Stelle einer Transposition: Dort sassen wir jetzt, unterhielten uns miteinander oder hörten Radio (...) 

(...) I should do what she asked (...) (50) – (...) ich sollte ihr folgen (...): unpräzise übersetzt, bzw. folgen als Synonym von gehorchen ist zu stark. Also eher näher am Original zu übersetzen: (...) ich sollte tun, was sie verlangte (...) 

«When did Mum tell you to tell me to stop making that noise?» (51) – «Wann hat Mammi zu dir gesagt, ich soll mit diesem Lärm aufhören?»: Gerade die Wiederholung des Verbs tell ist wichtig, denn Jugendliche sprechen in diesem Zusammenhang so, d.h. mit Wiederholungen. «Wann hat Mammi zu dir gesagt, du sollst mir sagen, mit diesem Lärm aufzuhören ist auch möglich, aber vielleicht doch zu weit weg von der Sprache Jugendlicher (Infinitivkonstruktion!). Deshalb noch eine mögliche Version: «Wann hat Mammi zu dir gesagt, du sollst mir sagen, dass ich mit diesem Lärm aufhören soll 

(...) a piping voice was recounting racing results (...) (52) – (..) gab eine schrille Stimme die Rennergebnisse (...) bekannt.: Während es sich im Original um irgendwelche Rennergebnisse handelt (zero-article), werden im Dt. die Rennergebnisse mittels des bestimmten Artikels zu präzisierten Rennergebnissen; die LeserInnen werden sie als die Rennergebnisse des Tages verstehen, eine Idee, die im Original bewusst nicht erzeugt wurde: Die Gleichgültigkeit, Trägheit und Langeweile werden durch die Beliebigkeit der Rennergebnisse unterstrichen; deshalb: (..) gab eine schrille Stimme Rennergebnisse (...) bekannt. 

It was always difficult to get him to go. (52) – Es war immer schwierig, ihn aus dem Haus zu lotsen.: Das Wort lotsen passt nicht; Tom musste nicht – mangelnden Orientierungsvermögens halber – gelotst, sondern ganz einfach irgendwie aus dem Haus gebracht werden. Vorschlag: Es war immer schwierig, Tom aus dem Haus zu kriegen/bekommen. 

Tom was just the kind to be picked on. (52) – Tom war grade der Typ dafür.: Das dafür verweist zurück auf Toms Aussage «Der schlägt mir mal den Schädel ein.», eine gute Lösung; dennoch geht dabei einiges verloren. Tom war grade der Typ, der drankommt. ist näher am Original und wirkt stärker als ein eher vages dafür

(...) pointed in the direction of a small wooden shed. (53) – (...) deutete in die Nähe eines kleinen Holzschuppens.: Es ist nicht ersichtlich, weshalb aus direction Nähe wurde; sicherlich nicht «falsch», dennoch wäre (...) deutete in Richtung eines kleinen Holzschuppens. doch problemlos möglich. 

It was Sue who brought Tom home from school that afternoon. (53) – An diesem Nachmittag brachte Sue Tom von der Schule heim.: Im Original wird mittels eines «cleft sentence» ein «contrastive focus» geschaffen, d.h. Sue ist betont, da es eben nicht Jack war, der Tom heimbrachte. Es war Sue, die (...) wäre jedoch zu schwerfällig, und mir scheint die Lösung des Übersetzerteams geradezu ideal, zumal auch keine Verbesserung erzielt wird, wenn Sue am Anfang des Satzes steht. 

a strange animal howl (53) – ein seltsam tierisches Geheul: Hier ist den Übersetzenden ein kleiner Fehler unterlaufen: das Geheul ist nicht seltsam tierisch, sondern das tierische Geheul ist seltsam; die korrekte NP lautete im Dt. demnach: ein seltsames tierisches Geheul

(...) the sense of drama ebbed away. (54) – (...) die dramatische Stimmung verlor sich.: Gerade im Zusammenhang von Erregungen und Stimmungen pflegt frau/man im Dt. in diesem Sinn das Wort abebben zu verwenden; sich verlieren ist als Synonym zu abebben richtig, nur ist abebben offensichtlich näher am im Original evozierten Bild und daher vorzuziehen: (...) die dramatische Stimmung ebbte ab. 

Mother had sent Julie to Tom's school (...) to talk to the class teacher about the bullying (...) (54) – Mutter hatte Julie (...) zum Klassenlehrer geschickt, um mit ihm über die Prügelei zu reden (...): unpräzise übersetzt; offensichtlich ging Tom in eine andere Schule als seine Geschwister, und diesem Umstand müsste auch an dieser Stelle explizit und originalgetreu Rechnung getragen werden. Vorschläge: Mutter hatte Julie (...) in Toms Schule geschickt, um mit seinem Klassenlehrer über die Prügelei zu reden (...) oder ein wenig einfacher: Mutter hatte Julie (...) zu Toms Klassenlehrer geschickt, um mit ihm über die Prügelei zu reden (...) 

Weshalb darf fascinated (55) nicht fasziniert heissen? Das in der Übersetzung verwendete Wort gebannt ist zudem ohne irgendeinen Zusatz sehr ungebräuchlich. 

of kids playing round the empty prefabs (...) (57) – von Kindern, die in den Fertighäusern (...) spielten (...): Die Präposition in ist denkbar schlecht gewählt, denn die Kinder spielten um die Fertighäuser herum, sie befanden sich nicht in den Häusern selbst, wobei die Übersetzenden wahrscheinlich in als zwischen interpretiert haben wollten. Trotzdem böte sich doch auch die Präposition bei an: von Kindern, die bei den Fertighäusern (...) spielten (...) 

To have the dining-table up here (...) (57) – Den Esstisch hier oben stehen zu sehen (...): Jack sitzt zu diesem Zeitpunkt immer noch am Tisch, weshalb das Wort sehen seltsam wirkt, zumal im Original nichts davon steht. Vorzuziehen wäre dem Dass der Esstisch hier oben stand (...) oder – noch näher am Original – Dass wir den Esstisch hier oben hatten (...) 

I was about to sit down at the table again, when my mother called my name, and I went to sit on her bed. (57) – Ich wollte wieder zurück zum Tisch gehen, als meine Mutter meinen Namen rief, und so setzte ich mich zu ihr ans Bett.: Der erste HS ist etwas blässlich geraten; der Subjunktor als verlangt im ersten HS das Füllwort gerade, im Original ausgedrückt durch die Konstruktion «to be about to do». Die ÜbersetzerInnen haben zudem das Verb gehen im ersten HS gesetzt, da es im zweiten nicht stehen kann. Deshalb wirkt Ich wollte wieder zurück zum Tisch gehen auch wenig anschaulich. Vorschlag: Ich wollte mich gerade wieder an den Tisch setzen, als meine Mutter meinen Namen rief, und so setzte ich mich zu ihr ans Bett. 

«Fed up?» (58) – Wird ein simples «Langweilig?» dem gerecht? «Hast du die Nase voll?» oder «Dir stinkt's ganz schön, nicht?» wären hier aussagekräftiger, wobei die zweite Version einem «Fed up, aren't you?» entspräche. 

Im folgenden Satz wurde die Asyndese des Originals im Dt. zu einer Polysyndese: (...) it wouldn't be long before people would be breaking in, taking things, smashing everything up.« (59) (...) dann brechen sie ein, und stehlen Sachen, und schlagen alles kaputt.» Es ist sowohl die polysyndetische als auch die asyndetische Variante möglich, je nach Vorstellung und Intention der Übersetzenden, auch in bezug auf die Betonung. Trotzdem sei noch einmal darauf hingewiesen, dass im Original die Asyndese verwendet wurde. 

from my savings (59) von meinem Gesparten: Ich zöge von meinen Ersparnissen vor, was allerdings eine subjektive Präferenz sein mag. 

(...) and drank a glass of cold water from the tap in the kitchen. (60) (...) und trank ein Glas kaltes Wasser am Spülbecken.: unpräzise, interpretierte Übersetzung; im Originaltext steht nirgends, wo Jack das Glas Wasser trank: Das Wasser stammte lediglich vom Wasserhahn in der Küche. Nun ist es offensichtlich schwerfällig zu schreiben (...) und trank ein Glas kaltes Wasser vom Wasserhahn in der Küche, insbesondere weil die TP vom Wasserhahn auch auf Glas bezogen werden könnte, was im Englischen nicht der Fall ist. Vorschlag: (...), liess mir in der Küche ein Glas kaltes Wasser heraus und trank es

Julie pushed past me on the stairs. (60) Julie ging an mir vorbei auf die Treppe zu.: Julie ging nicht einfach an Jack vorbei, sondern sie drängte oder drückte sich an ihm vorbei, ein wichtiges Detail, wie mir scheint. Deshalb: Julie drückte sich an mir vorbei auf die Treppe zu. 

I resented «you lot» immediately. (60) Das «ihr Übrigen» nahm ich sofort übel. Das Verb übelnehmen ohne Dativergänzung zu verwenden, ist arg gewagt, um nicht zu sagen falsch. Also eher: Das «ihr Übrigen» nahm ich ihr sofort übel. oder: Das «ihr Übrigen» stiess mir sogleich sauer auf

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

2.    Adaptationen in Kapitel V

two pints of milk (65) zwei Flaschen Milch: eine geglückte Adaptation. Ein pint ist zwar ein Mengenangabe (0,57 l) die im Dt. ja nicht existiert , doch weil die Rede von zwei pints ist, muss es sich um zwei Einheiten, d.h. zwei Flaschen oder Beutel gehandelt haben; denn hätte sich die Menge von zwei pints in einem Behältnis befunden, stünde in diesem Zusammenhang im Original wahrscheinlich a bottle of milk (eine Flasche Milch), denn die genaue Menge Milch ist hier irrelevant. Dass sich die ÜbersetzerInnen auf zwei Flaschen Milch geeinigt haben, scheint mir angebracht für einen Text, der in den 70er Jahren dieses Jahrhunderts geschrieben wurde, und auch vom Kontext her, auch wenn es schon damals Milchbeutel gab. 

The cement was now five inches deep on the bottom of the chest. (70) Der Zement lag jetzt ungefähr fünfzehn Zentimeter hoch auf dem Kistenboden.: sehr richtig, dass nicht die dt. Entsprechung des Wortes inch (= Zoll) verwendet wurde, sondern das im deutschen Sprachraum gebräuchliche Längenmass Zentimeter. Ein inch misst 2,54 cm, multipliziert mit fünf (five) ergibt dies 12,70 cm. Dass diese Summe nicht auf ungefähr dreizehn Zentimeter, sondern auf lesbarere ungefähr fünfzehn Zentimeter runde Zahl! aufgerundet wurde, ist durchaus angebracht, geht es hier nun absolut nicht um mathematische Genauigkeit, denn vielmehr um das blosse Vermitteln einer Idee, sodass die LeserInnen der Übersetzung sich eine Vorstellung davon machen können, wie hoch der Zement auf dem Kistenboden lag. Pikantes ungewollt entstandenes Detail, das die Tauglichkeit der Übersetzung jedoch nicht schmälert: Im Dt. ergaben sich Alliterationen, die im Original nicht vorhanden sind: (...) den Zement hinein. Der Zement lag jetzt ungefähr fünzehn Zentimeter hoch (...) 

She sank an inch or two into the cement (...) (73) Sie sank einige Zentimeter in den Zement ein (...): Da schon im Original nur eine ungefähre Angabe gemacht wurde, ist eine ebensolche mittels des sehr gut zum Vorgang des (allmählichen) Sinkens passenden Wortes einige die wohl beste Lösung; auch mathematisch entsprechen einige Zentimeter recht gut an inch or two

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

3.    Analyse nach Übersetzungsverfahren (p. 77)

 
Two or three years before my father died,
Zwei oder drei Jahre bevor mein Vater starb,
Substitution
my parents
meine Eltern
Substitution
had to attend a
hatten gehen müssen zum
Modulation / Transposition
funeral
Begräbnis
Substitution
of one of their
eines ihrer
Transposition
last surviving relatives.
letzten übriggebliebenen Verwandten.
Substitution


It might have been
Vielleicht war's
Transposition
my mother's aunt, or my father's,
eine Tante meiner Mutter oder meines Vaters,
Substitution
or
--
Auslassung
it might have been
vielleicht war's
Transposition
----
auch
Füllwort
an uncle.
ein Onkel.
Substitution

Exactly who
Wer genau
Substitution
had died
gestorben war,
Substitution / Modulation
was not discussed
wurde nicht besprochen
Substitution / Modulation
probably because the death meant very little
wahrscheinlich weil dieser Tod sehr wenig
bedeutete
Substitution
to my parents.
meinen Eltern.
Transposition

Certainly
Auf jeden Fall
Transposition
it meant nothing
bedeutete er nichts
Substitution / Modulation
to us children.
uns Kindern.
Transposition

We were interested in
Uns interessierte
Transposition
----
viel
Füllwort
more
mehr,
Substitution
the fact
--------
Auslassung
that we
dass wir
Substitution
were to be
würden
Modulation
left alone
allein gelassen
Substitution
in the house
zu Hause
Transposition
in charge of Tom
(und) auf Tom aufpassen sollten
Transposition
most of the day.
fast den ganzen Tag
Transposition

Mother prepared us of our responsabilities
Mutter bereitete uns auf unsere Pflichten vor
Substitution
-----
schon
Füllwort

several days in advance.
einige Tage im voraus.

Substitution

She would
Sie würde
Substitution
cook
vorkochen
Modulation
our lunch
unser Mittagessen
Substitution
and all we had to do was
und wir bräuchten nur noch
Transposition
warm it up,
es aufzuwärmen,
Substitution
when we were hungry.
wenn wir hungrig wären.
Substitution

She showed
Sie zeigte
Substitution
each one of
-----------
Auslassung
us
uns
Substitution
in turn,
der Reihe nach -
Transposition
Julie, Sue, then me how
Julie, Sue, dann mir -, wie
Substitution
to operate the stove
der Ofen anzumachen war,
Modulation /
Transposition
and
und
Substitution
she
---
Auslassung
made us promise
nahm uns das Versprechen ab,
Transposition
to check three times
dreimal nachzusehen,
Substitution
that
ob
Modulation
it was properly turned off.
er richtig abgedreht war.
Modulation /
Substitution

She changed her mind and said
Sie änderte ihren Entschluss und sagte,
Substitution
she would prepare a cold lunch.
sie würde ein kaltes Mittagessen herrichten.
Substitution

But that
Aber dies
Substitution
would not do,
ginge nicht,
Modulation
----
auch
Füllwort
she finally decided,
beschloss sie schliesslich,
Substitution
because it was winter and we could not
weil es Winter war, und wir nicht konnten
Substitution
go
auskommen
Modulation
without something hot
ohne etwas Warmes
Substitution
in the middle of the day.
über Mittag
Modulation

Father, in his turn, told us what
Vater sagte uns seinerseits, was
Transposition /
Substitution
to do
wir tun sollten,
Transposition
if someone knocked at the front door,
wenn jemand an die Haustür klopfte,
Substitution
though, of course,
obwohl natürlich
Substitution
no one ever
noch nie jemand
Transposition
had knocked at the front door.
an die Haustür geklopft hatte.
Substitution

He instructed us
Er instruierte uns
Substitution
in what to do
----------
Auslassung
if
für den Fall, dass
Transposition
the house caught fire.
im Haus ein Brand ausbräche.
Modulation /
Transposition

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

4.    Gesamtbewertung der Übersetzung

Die Kapitel 4.1. bis 4.9. stellen einige wichtige Faktoren im Zusammenhang mit dem Werk vor, die zum Verständnis dieser Übersetzungskritik und insbesondere der Gesamtbeurteilung beitragen sollen. In Kapitel 4.10. wird einzeln auf verschiedene Aspekte eingegangen, die für das gesamte Bild der Qualität der Übersetzung wichtig sind.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

4.1. Der Autor

Ian McEwan wurde 1948 als Sohn eines britischen Berufssoldaten geboren; durch diesen Umstand musste er als Kind viel herumreisen (Singapur, Libyen). Mit elf Jahren erfolgte die Trennung von den Eltern (Internat in England), unter der er sehr stark litt, insbesondere die Mutter vermisste McEwan. Mit 22 Jahren begann McEwan zu schreiben. The Cement Garden ist nach zwei Sammlungen von Kurzgeschichten sein erster Roman, publiziert im Jahre 1978.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

4.2. Die Übersetzenden

Eher ungewöhlich: The Cement Garden wurde von einer studentischen Arbeitsgruppe des Instituts für englische Philologie der Universität München übersetzt; die Gruppenleitung und Endredaktion hatte Christian Enzensberger inne.  

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

4.3. Wichtige psychologische Daten betr. den Autor

Ian McEwan war stark beeinflusst insbesondere von den Schriften Freuds, was sich in den in den 70er Jahren verfassten Kurzgeschichten so auch im Roman The Cement Garden sehr stark niederschlug: Er beschreibt eine Welt der Gewalt und sexueller Bedrohungen; oft sind Kinder die Protagonisten, die in dieser düsteren, z.T. kaputten Welt Lebenden, als Opfer, aber auch als TäterInnen.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

4.4. Rezipienten

The Cement Garden richtet sich als Roman sowohl an eine breite LeserInnenschaft, als auch an ein Bildungspublikum wohl politisch eher linker Provenienz, das an sozialen und pädagogischen Fragen, an der Darstellung eines anarchischen Zustands unter vier Geschwistern im Kindes- und Adoleszenzalter und an dessen durch die Gesellschaft herbeigeführten Scheitern interessiert ist. Das Publikum wenngleich kleiner dürfte sich ähnlich zusammensetzen wie jenes des Romans Lord Of The Flies von William Golding.   

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

4.5. Räumliche Situierung des Textes

Der Text ist in allgemeiner englischer Hochsprache geschrieben. Die Beschreibungen sind präzise-naturalistisch, Hypotaxen dominieren deutlich, komplexe Sätze mit mehr als einer Unterordnung sind die absolute Ausnahme. Die Dialoge sind sehr realistisch, insofern als sie die Sprache von Kindern und Jugendlichen zwischen vier und sechzehn auf eine sehr natürliche Art und Weise nachzeichnen: Die gesprochenen Sätze sind sehr kurz und umgangssprachlich; die verwendete Umgangssprache ist eine sehr übliche und ist daher geläufig und gut verständlich; Ellipsen sind als Marker von Umgangssprache und gesprochener Sprache im allgemeinen sehr häufig.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

4.6. Zeitliche Situierung des Textes

Die Zeit, in der der Roman spielt, wird nirgendwo definiert. Aus dem Kontext geht aber klar hervor, dass er in den 70er Jahren spielt, also zur selben Zeit, als Ian McEwan The Cement Garden schrieb. Es seien in diesem Zusammenhang hier nur die empty prefabs (z.B. S. 57) / leeren Fertighäuser (S. 69) erwähnt, die diesen Schluss nahelegen.   

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

4.7. Textsortenklasse

The Cement Garden ist eine Milieustudie in Romanform; und dies in erster Linie aus dem einfachen Grund, weil das Buch als novel/ Roman publiziert wurde, d.h. dieses Wort wird jeweils auf dem Umschlag gleich mitgeliefert. Ferner gibt es überhaupt keinen Grund, weshalb The Cement Garden kein Roman sein sollte.   

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

4.8. Texttyp

The Cement Garden ist ein aus der Ich-Perspektive geschriebener informativ-emotiver Text mit expressiven Elementen.  

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

4.9. Inhaltsangabe

«Ich habe meinen Vater nicht umgebracht, aber manchmal kam es mir vor, als hätte ich ihm nachgeholfen.» Die registrierende Distanz, mit der der 15jährige Jack, die Ich-Person, einleitend den Tod des Vaters kommentiert, bestimmt den Ton in Ian McEwans Romandebüt The Cement Garden. Die rabenschwarze Geschichte kreist um die Suche nach sexueller Identität und um die Faszination des Todes; während Jack onaniert, erliegt sein Vater einem Herzschlag bei dem Versuch, den pedantisch kultivierten Garten mit einer Betondecke endgültig vor der Anarchie der Natur zu bewahren. Jacks Familie lebt in einem einsamen Haus, dem Überbleibsel einer Siedlung, in der Planierraupen ganze Arbeit geleistet haben. Jenseits dieser «Mondlandschaft» drohen gigantische Wohnsilos. Der Abgeschiedenheit ist es zu verdanken, dass einige Monate später auch der Tod von Jacks Mutter unbemerkt bleibt. Der Gedanke ans Waisenhaus lässt Jack und seine ältere Schwester Julie instinktiv handeln: Sie «beerdigen» die Mutter im Keller in einer Blechkiste voller Beton. Die jüngere Schwester Sue wird eingeweiht, nur den vierjährigen Tom lassen Julie und Jack im Ungewissen. Nun völlig auf sich allein gestellt, verstricken sich die vier Geschwister in mehr oder weniger versteckte Spiele um Macht und Erotik. Julie und Sue ermuntern Tom, sich immer öfter in Mädchenkleidern zu zeigen; Jack, der inzwischen jegliche Körperpflege vermeidet, lehnt Julies Führungsansprüche ab; Julie wiederum ist sich der erotischen Wirkung auf den Bruder bewusst und kontrolliert das Spiel um Nähe und Distanz. Die merkwürdige Balance zwischen Zärtlichkeit und psychischer Gewalt gerät ins Wanken, als sich Julie häufig mit einem jungen Mann trifft. Derek wird nicht nur zu Jacks Konkurrent um Julies Zuneigung, er droht auch die Leiche im Keller aufzuspüren, deren Geruch mittlerweile in die verwahrloste Wohnung dringt. Die Konsequenz liegt auf der Hand: Der Aussenseiter bedroht die Existenzgrundlage der Geschwister und muss abgewiesen werden. Julie verführt Jack eine Liebe ohne Zukunft. Der einmalige inzestuöse Akt wird abgelöst von schlagenden Wagentüren, die Szenerie in kreisendes Blaulicht getaucht.   

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

4.10. Gesamtbeurteilung

Insgesamt ist festzustellen, dass das ÜbersetzerInnenteam gute Arbeit geleistet hat: Die Übersetzung liest sich flüssig, die/der LeserIn stolpert über keine Unzulänglichkeiten, die den Fluss unterbrächen oder die Verständlichkeit beeinträchtigten. Zum Teil hätte ich mir etwas mehr Nähe zum Original gewünscht, insbesondere bei Transpositionen (syntagmatischer Bereich). Ein Ausgangstext bietet aber immer verschiedene Übersetzungsmöglichkeiten an, Alternativen, die je nach Präferenzen der übersetzenden Person(en) Interpretation, eigener Sprachgebrauch, regionale und andere Geprägtheiten bevorzugt oder abgelehnt werden. Im folgenden einige Ausführungen zu den verschiedenen fürs Übersetzen relevanten Sprachebenen.   

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

4.10.1. Lexikalische Ebene

4.10.1.1. Emprunts

Alle in der Übersetzung mittels Lehnwort (Emprunt) wiedergegebenen Wörter passen und sind insofern gerechtfertigt, als eine Übersetzung keinen Sinn machte, da sie nicht verstanden würde. So ist es z.B. richtig, «Greensleeves» mit «Greensleeves» wiederzugeben, auch wenn die LeserInnenschaft dieses bekannte englische Lied vielleicht nicht kennt und deshalb leider die Konnotation «traurig» wegfällt. 

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

4.10.1.2. Calques

Was für die Emprunts gilt, trifft auch auf die Calques (Lehnübersetzungen) im Zementgarten zu: Sie stimmen. Nur hätte im Falle des Wortes clinch sich eher eine Substitution empfohlen, da im Dt. allgemein und dies evtl. sogar «fälschlicherweise» die Konnotation «Zwiespalt» näher liegt als «Umklammerung», was im Zusammenhang mit Ringer (wrestler) eine gewisse Ratlosigkeit hervorruft, falls einem der Fachausdruck Clinch nicht geläufig ist. Auch dass Clinch laut Duden der Boxersprache zugeschrieben wird, legt nahe, dass im Zusammenhang mit Ringern eher das deutsche Wort Umklammerung hätte verwendet werden sollen. 

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

4.10.1.3. Substitutionen

Die Substitutionen sind gut gewählt, sie treffen das im Ausgangstext Bezeichnete präzise. Veritable Irrtümer sind den Übersetzenden nicht unterlaufen, und Alternativen, die sich allenfalls anböten, sind höchstens vorzuziehen aufgrund persönlicher Vorlieben und eigenem Sprachgebrauch.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

4.10.2. Syntaktische Ebene

4.10.2.1. Transpositionen

Die Transpositionen sind weitgehend gelungen: Die obligatorischen wurden zur vollen Befriedigung ausgeführt sie sind ja auch unumstritten; die fakultativen sind gut gewählt, wobei einige nicht hätten sein müssen oder gar dürfen; so z.B. wenn aus einem infiniten finalen Nebensatz ein finiter kausaler wird, in etwa der gröbste festgestellte Verstoss in der untersuchten Übersetzung.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

4.10.2.2. Textkohärenz

Die Syntax des Ausgangstextes ist sehr einfach: Der Text setzt sich zusammen aus aneinandergereihten Hauptsätzen, die allenfalls von einem Nebensatz begleitet sind; er wird gerade noch ausreichend zusammengehalten von einem Minimum an logischen Verknüpfungen. Diese so gar nicht komplexe Syntax wurde im Zieltext reproduziert, unter Verwendung ebenso minimalsten «Textkitts», der den Text haarscharf vor dem «steingartenmässigen» Auseinanderfallen bewahrt, wofür den Übersetzenden ein Lob gebührt, denn es ist nicht zuletzt die simple Syntax, die diesem Roman Farbe verleiht und hauptverantwortlich ist dafür, dass das Beklemmende, Bedrückende, die Stimmung also «rüberkommt». Diese Syntax ist auch ein Marker für Ian McEwans Stil der sich übrigens bis heute nicht verändert hat , ein Stil, dem das ÜbersetzerInnenteam des Zementgartens voll Rechnung getragen hat.   

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

4.10.3. Semantische Ebene

4.10.3.1. Adaptationen

Wie wir bereits in Kapitel 2. gesehen haben, hat es das Übersetzungsteam verstanden, taugliche Adaptationen zu schaffen, das «richtige» Mass an Genauigkeit, Sinnvolligkeit und Verständlichkeit zu treffen, damit der Zieltext semantisch mit dem Ausgangstext übereinstimmt. So z.B. auch im Fall der Germanic voices, was mit fremdländische Stimmen übersetzt wurde: eine gute Lösung. 

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

4.10.3.2. Zusätze

Die eingestreuten Füllwörter, die im Dt. eine grosse Wichtigkeit für die Kohärenz haben und auch in der Funktion von blossen «Würzwörtern» unentbehrlich sind, wurden gut gewählt. Andere Zusätze

wie die in Kapitel 1. erwähnte und nicht vorbehaltlos hingenommene Umwandlung einer asyndetischen Aufzählung in eine polysyndetische sind rar, wären aber z.T. nicht nötig gewesen. Über ein geringes Mass hinausgehende Zusätze sind in der Übersetzung nicht vorhanden. 

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

4.10.3.3. Auslassungen

Mit Auslassungen ist vorsichtig umzugehen; wie originalgetreu soll übersetzt werden? Was gänzlich weggelassen wird, wurde letztendlich nicht übersetzt; ein Verfahren, das generell nur dann angewandt werden sollte, wenn eine Übersetzung in keiner Art und Weise möglich ist oder eine Auslassung quasi der üblichsten «Substitutionsübersetzung» entspricht. In der hier beurteilten Übersetzung wurde meines Erachtens mit Auslassungen etwas zu leichtfertig umgegangen, auch wenn sie nicht zahlreich sind: Manche wären in der Tat nicht nötig gewesen, auch wenn sie eigentlich keine Bedeutungsveränderungen und keine Kohärenzprobleme bewirkten. 

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

4.10.3.4. Konnotative Adäquatheit

Die konnotative Adäquatheit als eigentlich wichtigstes Ziel einer jeder Übersetzung wurde bis auf einige wenige Ausnahmen im Bereich der Wortwahl durchwegs erreicht. Als Mängel wurden die Wörter lotsen (Kapitel 1.) und Clinch (Kapitel 4.10.1.2.) deklariert; andere Wörter wurden dafür sehr treffend gewählt, so z.B. Schulhofopfer (playground victim) oder Gentleman-Verbrecher (gentlemen criminals). Auch beim Imitieren der bereits erwähnten abgehackten fremdländischen Stimmen haben die Übersetzenden ganze Arbeit geleistet: «Was sagen Sä dazo, Herr Docktor?», «Aber wir wärden weitere Äntwäcklonk verfolgen, wie?». Wie gesagt: Die Stimmung kommt «rüber», das Buch lebt, die vorherrschende Gedrücktheit wird von den Rezipienten mitgelebt.  

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

5.    Bibliographie

  1. McEwan, Ian, The Cement Garden, Penguin Books,
    New York, 1988, ISBN 0-14-011282-0;
    first published by Simon and Schuster,1978
  2. McEwan, Ian, Der Zementgarten, übersetzt von einer studentischen Arbeitsgruppe des Instituts für englische Philologie der Universität München, Diogenes Taschenbuch, 1982,
    ISBN 3-257-20648-8;
    deutsche Erstausgabe im Diogenes Verlag, 1980
  3. Das Magazin, Nr. 17/94

 

Geschrieben vom 26. - 28. Juni 1994
Bern, 28. Juni 1994
Martin Reck

Zurück zum Inhaltsverzeichnis